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Meine Reise ins Ungewisse
Montag, 06. Juni 2016 Geschrieben von Bernarda Brko

Meine Reise ins Ungewisse

Es ist jetzt schon fast ein ganzes Jahr her, dass ich das schöne Land Ruanda besucht habe. Damals als ich in das Flugzeug stieg war ich mir noch unsicher, ob ich dieser Reise gewachsen sei. Zurückblickend war es eine gute Entscheidung in das Flugzeug zu steigen und eine 13 stündige Reise auf mich zu nehmen. Für mich begann eine Reise ins Ungewisse, ins Gefährliche und Aufregende.

Ich muss zugeben, dass ich immer noch an die Menschen denke, denen ich damals in verschiedenen Teilen Ruandas begegnet bin. Sie sind mir alle ans Herz gewachsen. Sie machen das Beste aus ihrem Leben und können einen immer ein Lächeln ins das Gesicht zaubern.

Meine Reise ins Ungewisse

Als ich das Land betreten habe, war ich sehr erschrocken von dem Zustand, der mich dort erwartet hat. Ich bin so etwas einfach nicht gewohnt und musste lernen mit dieser, für mich so ungewohnten, Situation umzugehen. Mein Aufenthalt in Ruanda betrug ein Monat. Dieser Monat war der lernoffensivste und mühsamste in meinem bisherigen Leben. Ich hatte mich auf all das überhaupt nicht vorbereitet. Vor allem nicht mental. Durch Medien wusste ich zwar von der, in der dritten Welt herrschenden, Situation, jedoch wurde mir das ganze erst bewusst als ich dort war. Zunächst fiel es ziemlich schwer, mich in den Rhythmus der Gemeinde zu etablieren. Für mich hieß es jeden Morgen um 5.30 aufzustehen, mich anzuziehen, mein Zimmer aufzuräumen, die morgendliche Messe zu besuchen, welche für die Nonnen der Gemeinde gedacht war und anschließend den Tisch für das Frühstück zu decken, das um 7 Uhr stattfinden sollte. Man hielt sich strick an einen Plan, der mir viel über mich selbst und über mein Leben zeigte, aber dazu später mehr. Nach dem Frühstück hatten wir freie Zeit, welche ich anfangs zum Schlafen nutzte, da ich es nicht aushielt diesen Rhythmus Stand zu halten. Ich habe, soweit ich mich erinnern kann, ungefähr 5 Tage gebraucht mich daran zu gewöhnen. Nachdem ich mich langsam an das alles gewöhnt habe, ist mir klar geworden, dass es einen Sinn macht den Tag früh anzufangen.

„Sobald die Sonne aufgeht, beginnt der Tag.“ Das sagte Pater Ivica damals zu mir. Der Tag solle genutzt werden. Und das tat ich dann auch.

Meine Reise ins Ungewisse

Morgens, nachdem ich gefrühstückt habe, ging ich in die Schule, wo ich mit anderen Plakate für die Lehrer machte, welche sie für den Unterricht an der Schule in Kivumu benutzten. Die Kinder in Kivumu verbringen den ganzen Tag in der Schule. Es gibt keinen Moment der Stille in den Schulen. Es wird viel gelacht und rumgealbert und trotzdem schaffen sie es viel zu lernen. Man sieht ihnen an, dass sie Spaß am Lernen haben. Sie gehen gerne zur Schule, denn ihnen ist wie keinen anderen bewusst, das Fleiß und harte Arbeit zum Erfolg führen. Ferner haben die Lehrer ein sehr gutes und persönliches Verhältnis zu den Schülern. Sie geben sich sehr viel Mühe die Kinder in Kivumu gut auszubilden, damit jedes Kind eine Zukunft hat. Momentan wird im Dorf Kivumu eine weitere Schule gebaut. Sie dient den älteren Jugendlichen und stellt eine weiterführende Schule dar. Allgemein legt die Gemeinde Kivumus sehr viel Wert auf Bildung und versucht jedem Kind, welches die Schule besucht, eine gute Zukunft zu ermöglichen.

Mittags half ich unteranderem gerne beim Vorbereiten des Mittagessens. Ich holte Gemüse aus dem, zur Gemeinde gehörendem Garten und schnippelte dieses für den Koch klein. Der Koch der Gemeinde ist ein sehr liebenswerter Mensch. Beim Kochen hörten wir immer laut Musik und tanzten dazu. Dies bereitete mir sehr viel Spaß. Er sprach kein Deutsch, Kroatisch und auch sehr wenig Englisch und ich konnte kein Kinjaruandan. Doch er wusste immer was ich sagen wollte, und ich wusste was er mir sagen wollte. Und so war das überall im Dorf Kivumu. Trotz der Sprachbarrieren konnten wir uns alle auf eine Art und Weise, die vielleicht etwas kurios für Außenstehende wirkte, verständigen. Des Weiteren, besuchte ich nach dem Mittagessen gerne den Kindergarten in Kivumu. Dort werden fast alle Kleinkinder Kivumus betreut. Ich sang und spielte mit den kleinen „Küken“, wie sie genannt werden. Mehr als vor dem Kindergarten zu stehen, brauchte ich nicht. Denn sobald sie mich erblickten, rannten sie aus dem kleinen Häuschen, indem sie ihre Vormittage verbrachten. Sie sprangen auf mich, küssten und umarmten mich. Es sprudelte nur so von Warmherzigkeit und Liebe; sie waren mir die Liebsten. Aus diesem Grund ging ich bei meinen Rundgängen durch das Dorf jedes Mal bewusst am Kindergarten vorbei. Des Weiteren besuchte ich mittags häufig die „Innenstadt“. Diese ist nur mit einem total überfülltem „Bus“ oder mit einem Mofa erreichbar. Doch dies störte mich nicht, denn man traf jedes Mal auf sehr interessante Menschen. Auch wenn wir alle aufeinander saßen und uns in dem kleinen Bus quetschten, war es jedes Mal eine sehr lustige Fahrt. Es wurde in Busen gesungen und viel gelacht; eigentlich typisch für Ruanda. In der Innenstadt gibt es viele kleine Läden, in denen man am häufigsten Stoff für Kleider kaufen kann. Dies wird benötigt da die Kleider meistens selbst genäht werden. Doch nicht jeder besitzt so ein Kleid und wenn dann höchstens 2. Ich dachte an meinen Kleiderschrank, und schämte mich innerlich dafür, dass ich mehr habe, als ich eigentlich benötige.

Meine Reise ins Ungewisse

Abends, nach dem ich aus der Stadt in die Gemeinde zurückkehrte, deckte ich den Tisch für das Abendessen und ging zum Abendgebet. Beim Abendessen durfte jeder von seinen Erfahrungen, die er am Tag gemacht hat, erzählen. Es wurde viel geredet und der darauffolgende Tag geplant. Somit endete der Abend auf dem Hof, wo wir mit einem Bierchen den Tag beendet haben.

Sonntage sind sehr besondere und angesehene Tage in Ruanda. An dem Tag zieht jeder sein schönstes Kleid, seine schönste Hose und das schönste Hemd/Oberteil an. Der Sonntag wird in Kivumu sehr groß in der Messe gefeiert. Das ganze Dorf versammelt sich in der Kirche. Doch die Messe läuft ziemlich außergewöhnlich ab. Denn es wird getanzt und geklatscht. Außerdem gibt es ein Chor, welcher mit schönen Liedern die Messe begleitet. Die Kirche ist jedes Mal überfüllt und es ist jedes Mal sehr fröhlich. Nach der Messe wird dann von den Jungs, vor der Kirche, Fußball gespielt und die Mädchen schauen zu.

Meine Reise ins Ungewisse

Meine schönsten Momente waren zum einen das Fest, welches wir auf unserem Hof organisiert haben. Wir kauften Essen und kochten es zusammen. Außerdem gab es ein Lagerfeuer. Die Lehrer der Schule wurden von uns eingeladen und wir versammelten uns um das Lagerfeuer, aßen und tranken. Pater Ivica holte eine große Trommel aus dem Haus. Jeder von uns durfte mal trommeln und Musik für den Rest der Gruppe machen, natürlich konnte ich es nicht so gut wie die Bewohner von Kivumu. Trotz allem tanzten und sangen alle anderen dazu. In der Schule brachten mir die Mädchen einen traditionellen Tanz bei, deshalb konnte ich auch mit den anderen um das Lagerfeuer tanzen. Es war ein sehr schöner Abend, denn ganz zum Schluss hielt jeder eine kleine Rede. Die Reden von den Lehrern bereiteten mir eine Gänsehaut, denn sie erzählten wie schwer es ihnen fällt den Tag zu überstehen, aber das sie wissen, dass Gott bei ihnen ist und ihnen jeden Tag hilft. Außerdem bedankten sie sich bei Pater Ivica, da er sehr viel für die Gemeinde tut. Diese Dankbarkeit, trotz der schlimmen Umstände, rührte mich zu Tränen und beeindruckte mich sehr. Auch gehörten die zahlreichen Ausflüge, die ich in verschiedenen Teilen Ruandas unternahm zu den schönsten Momenten. Die Natur Ruandas ist etwas, das man irgendwann mal im Leben gesehen haben muss. Sie ist so vielfältig und schön, dass ich es jedes Mal genoss, als sich die Möglichkeiten ergaben sie zu erkunden.

Meine Reise ins Ungewisse

Alles in einem war es ein sehr angenehmer und lehrreicher Aufenthalt. Ich bin nie herzlicheren Menschen begegnet. Sie haben so gut wie nichts und trotz allen Umständen versuchen sie das Beste aus dem was sie haben zu machen. Und das schönste ist, dass sie lachen können und zwar aus ihren Herzen. Es ist ein sehr hartes Leben. Das Menschen unter solchen Umständen Leben müssen, ist in keiner Weise zu rechtfertigen. Diese unmenschlichen Wohn- und Lebensbedingungen machten mich sauer und ich war, während meinen täglichen Rundgängen durch das Dorf, jedes Mal geschockt und zu Tränen gerührt. Es machte mich traurig diese Umstände zu sehen und es fiel mir sehr schwer in Anwesenheit von den Bewohnern Kivumus meine Emotionen zu unterdrücken. Ich habe mich für meine Denkweise, die ich vor meiner Reise nach Ruanda hatte, geschämt. Ich dachte an Deutschland. Ich dachte an die Menschen in Deutschland und vor allem an meine Generation. Ich schäme mich in einer Gesellschaft, voller Geldgieriger und Geldfixierter Menschen zu leben. Ich war vor dem Aufenthalt in Kivumu nicht anders. Ich kaufte mir Schuhe, die über 500 Hundert Euro kosteten und fühlte mich wohl dabei. Um ehrlich zu sein war es mein einziger Wunsch teurere Sachen zu besitzen; mir was leisten zu können. Und das alles nur um mit anderen mitzuhalten und um anderen zu gefallen. Ich dachte diese Sachen machen mich glücklich. Zu Weihnachten und Geburtstagen bekam ich immer das Beste vom Besten. Ich schämte mich. Ich sah, dass die meisten Kinder keine Schuhe trugen. Sie trugen immer die gleiche Hose und immer das gleiche Kleidchen. Diese Kinder bekommen nicht das Beste vom Besten zu Weihnachten oder Geburtstagen. Und TROTZDEM sind sie dankbarer und glücklicher als manch anderes Kind, welches zum Beispiel eine PlayStation zu Weihnachten bekommt.

Meine Reise ins Ungewisse

Dass ich damals den Entschluss gezogen habe, ins Flugzeug zu steigen, war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Die Erfahrungen und die Sachen, die ich über mich selbst gelernt habe, kann mir niemand nehmen. Es veränderte mich und zeigte mir, dass Glück und Liebe nicht käuflich sind. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Zwar konnte ich keine Wunder bewirken und irgendjemanden aus seinem Elend retten, jedoch wurde mir bewusst, dass es wichtig ist sich nicht nur auf sich selbst zu konzentrieren, die Augen zu verschließen und die Armut zu ignorieren. „Gib den Leuten keine Fische. Bringe ihnen das Angeln bei.“ Das ist das was Pater Ivica immer sagte. Viele denken fälschlicherweise sie können über Nacht die Welt verändern. Dies ist jedoch nicht das Ziel. Die Bildung steht in Kivumu an erster Stelle. Sie haben sich dazu entschlossen die ganze Kraft und das Engagement auf die Bildung zu fokussieren. Denn nur so kann man die jetzige Situation verbessern. Trotz allem ist es wichtig zu spenden, damit zum Beispiel Schulen gebaut werden, die Lehrer bezahlt werden können und sich allgemein ein normales Leben entwickeln kann.

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DANKE RUANDA FĂśR DIESE TOLLE ERFAHRUNG!

 
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