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Meine Erfahrung in Kivumu, Ruanda
Sonntag, 01. April 2007 Geschrieben von Valerie Kae Ken

Valerie Kae KenIndem ich mein Leben betrachte, kann ich sehen, dass mich alles, was ich bis zum heutigen Tag getan habe, zu dieser Aufgabe gef├╝hrt hat, an der ich jetzt in Afrika besch├Ąftigt bin. Ich komme aus Kanada. Im Jahre 1979 lebte ich f├╝r eine Weile in Deutschland. Damals habe ich mich entschlossen an einem Modekurs der ÔÇ×Londoner ModeschuleÔÇť in London teilzunehmen. Zu dieser Zeit hatte ich nicht einmal die leiseste Vorahnung, dass ich eines Tages mein Wissen und meine Kunstfertigkeit benutzen werde, um N├Ąhschulen in Afrika zu organisieren.

Alles begann mit dem Kennenlernen der Irin Mary Moran, die ebenfalls an diesem Kurs teilnahm. Eine Nonne, die die meiste Zeit ihres Lebens in Uganda verbrachte. Nach dem Kurs blieben wir weiterhin in Kontakt. Sp├Ąter im Jahre 1995 bat mich Mary ihr dabei zu helfen, ihre eigene Schneiderschule in ihrem Projekt des Heiligen Franz zu er├Âffnen in Nyamitanzi, Mbarara, Uganda. Wir trafen uns in England und haben die n├Âtigen Werkzeuge, Maschinen, B├╝cher und andere Requisiten besorgt. Schlie├člich ├╝berzeugte sie mich davon, mit nach Uganda zu kommen. So geschah es dann auch. Im Fr├╝hling des Jahres 1996 bin ich das erste Mal nach Uganda gereist.

Vom ersten Augenblick, als ich afrikanischen Boden betrat, war ich ÔÇ×gefangenÔÇť. W├Ąhrend der letzten zehn Jahre bin ich so oft nach Afrika gereist, dass ich, sobald ich das Geld zusammen hatte, mir sofort ein Flugticket kaufte. In der Zeit, als ich im Projekt des Heiligen Franz t├Ątig war, lehrte ich Design und Schneiderfertigkeiten und sp├Ąter konzipierte ich auch Programme f├╝r Lehrer. Heute haben wir eine bestimmte Anzahl von Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler aus der allerersten Generation, die nun sehr gute Lehrer im Zentrum sind. Ich helfe ihnen mit den neuen Unterrichtsmethoden, Materialien, B├╝chern und Requisiten f├╝r das N├Ąhen.

Mein erster Besuch in Ruanda war im Jahre 1998, einen Monat nach dem Tod von Pater Vjeko Curic. Als er ermordet war, war ich noch in Uganda. Pater Ivica Peric lud mich ein, ein paar Tage in Ruanda zu verbringen. Aufgrund meiner sehr starken Neugier das Land zu besichtigen, dass an der Trag├Âdie der Massaker und des Krieges gelitten hatte, habe ich die Einladung angenommen. Ich erinnere mich noch sehr gut an mein Gef├╝hl der Unsicherheit, als ich das erste Mal dort ankam. Damals galt noch das ÔÇ×GesetzÔÇť, dass niemand drau├čen auf den Stra├čen sein darf, wenn es dunkel wird. Ich war sehr nerv├Âs und hatte sehr viel Angst. Ich erinnere mich eines Abends in Kivumu, als man dar├╝ber sprach, was in der Zeit des Krieges passierte. Ich sehe immer noch die ernsten und nicht-l├Ąchelnden Gesichter neben dem Weg, wo wir entlanggefahren sind, in meinen Gedanken ... das Volk guckte uns viel zu ernst ohne irgendeinen Gesichtsausdruck an ... gef├╝hllos und suspekt ... ohne einen Hauch von Ausdruck in deren Gesichtern.

Jetzt, immer wenn ich nach Kivumu nach diesem ersten Besuch komme, sehe ich ein vollkommen anderes Bild. Man kann die Neugier an den Gesichtern der jungen Leute und das ÔÇ×wohlgesinnteÔÇť Willkommen der Sch├╝ler im ÔÇ×Pater VjekoÔÇť Zentrum sehen. Im Jahre 2003 kommt Pater Ivica nach Ruanda und ├╝bernimmt die Verantwortung f├╝r die Schule. Von ihm bekam ich die Einladung, das Programm der N├Ąhabteilung zu verbessern, die ich sehr gerne angenommen habe. Mein Plan war es, den Lehrern beizubringen das zu tun, was ich tue.

Die SchneiderabteilungNachdem ich mehrmals nach Ruanda zu Besuch gekommen war, fiel mir auf, dass selbst die Lehrer keine sehr gro├če Bildung vorweisen konnten. Sie sind ÔÇ×gutÔÇť als Lehrer, wollen anderen helfen, obwohl sie selbst eigentlich eine schwache Bildung haben. Eine von diesen Lehrern ist die Uganderin Aminah, die sehr viel f├╝r den Erfolg der Schule beigetragen hat. Sie verf├╝gt ├╝ber einen gr├Â├čeren Scharfsinn f├╝r eine Person in ihrem Alter als man im ersten Moment vermuten w├╝rde ( so wie im ├ťbrigen auch die meisten Afrikaner ). Mit sehr viel Enthusiasmus und Verantwortungsbewusstsein hat sie bewiesen, dass sie anderen helfen m├Âchte und dazu bereit ist, etwas Neues zu lernen. Josip, ein m├Ąnnlicher Schneider, ist ebenso verantwortungsbewusst. Josip geht mithilfe von Kr├╝cken. Die Tatsache, dass er k├Ârperlich behindert ist, nimmt ihm nicht seine F├Ąhigkeit etwas Neues zu lernen, ganz im Gegenteil, ich glaube daran, dass ihn das noch verantwortungsvoller und besser gemacht hat. Ein weiterer Beweis daf├╝r, was behinderte Menschen leisten k├Ânnen, wenn sie ihm Leben etwas erreichen wollen. Die beiden anderen Lehrer in der Schneiderabteilung sind genauso verantwortungsbewusst, immerzu ihr Wissen erweitern wollend m├Âchten sie den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern unterst├╝tzen so gut es nur geht.

modelDas Programm, nach dem wir arbeiten, setzt den Hauptakzent auf die Qualit├Ąt der Arbeit bei den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern. Sie erhalten die notwendigen Informationen ├╝ber die Qualit├Ąt und andere Gebrauchsgegenst├Ąnde, indem sie n├Ąhen, sodass sie eines Tages f├╝r die Zukunft gewappnet sind, um sich und ihre Familien unterst├╝tzen zu k├Ânnen. Nach dem Bestehen dieses Kurses sind sie in der Lage sowohl in D├Ârfern zu arbeiten, in denen es keinen Strom gibt, als auch in gro├čen Fabriken mit industriellen N├Ąhmaschinen.

Wir planen schon seit einiger Zeit den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern der N├Ąh-, Tischler- und Maurerabteilung, die im zweiten Ausbildungsjahr, den letzten drei Monaten sind, die Grundvoraussetzungen f├╝r das Leiten von kleinen Gewerben bzw. Betrieben beizubringen. Dank ihrer Franz├Âsisch- und Mathematikkentnisse, etwas von ihrem K├Ânnen am Computer, wird es ihnen m├Âglich sein, ihren eigenst├Ąndigen, kleineren Betrieb in Gang zu setzten.

Es war ein ├╝beraus langer Weg bis hierhin. Ich bin ├╝ber die Arbeit, die in der Schule geleistet wird, sehr angenehm ├╝berrascht. Wenn ich einen Klassensaal betrete, dann h├Âre ich nur das ÔÇ×SummenÔÇť der Maschinen. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler sind mit sehr verschiedenen Aktivit├Ąten besch├Ąftigt.

Die Unterrichtss├Ąle der Schneiderabteilung sind am besten ausgestattet, die ich bis jetzt gesehen habe. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler sind sehr froh, dass sie eine solche Ausstattung zur Verf├╝gung haben und die M├Âglichkeit erhalten haben, unter solchen Bedingungen lernen zu k├Ânnen. Sie haben die Chance von den einfachsten bis hin zu den besten Maschinen zu lernen.

Dank der Hilfe der Sch├╝ler ist es mir gelungen ein ÔÇ×afrikanisches ModellÔÇť herzustellen, was beim zuschneiden am n├╝tzlichsten f├╝r die Pr├Ąsentation erscheint. Meine Mutter brachte mir bei, wie man das macht. Zuerst habe ich Kleber kochen lassen, mehrere Papiere auf den K├Ârper des M├Ądchens verteilt und dar├╝ber den gekochten Kleber getan. Nachdem das alles nach einer kurzen Zeit trocknete, schnitt ich es unter der Aschselh├Âhle ab und zog es schlie├člich vom K├Ârper ab. Danach gab es sehr viel zu tun. Es musste noch mehr Papier und Kleber hinzugef├╝gt werden, damit die erw├╝nschte Konsistenz entsteht. Zum Schluss gab ich noch das Material f├╝r die Schlussform. Um das alles zu schaffen, habe ich mehre Tage gebraucht, aber im Endeffekt hat es sich gelohnt.

Die TischlerabteilungDie Tischlerabteilung ist auch ganz gut mit Maschinen und Werkzeugen versorgt. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler k├Ânnen ihr Handwerk mithilfe von Maschinen und Werkzeugen erlernen. Seitdem es hier auch einen Generator gibt, k├Ânnen die Sch├╝ler auch elektrische Maschinen benutzen. Der Gro├čteil des Lernens wird mit ├╝blichem Handwerkzeug gehandhabt, aufgrund der jeweiligen Situation, in der sie sich nach ihrem Abschluss befinden werden. Viele werden nicht die Chance haben elektrische Maschinen nutzen zu k├Ânnen, deshalb liegt unser Akzent mehr auf den Handwerzeugen.

Ebenso habe ich, genau wie in der Schneiderabteilung auch, viel in dieser Abteilung mitgeholfen. Ich stand ihnen bei vielen Aktivit├Ąten zu Seite. Dem Entwerfen des Programmes, wie man gerade Linien mithilfe von Seilen, Lasern und Wasserw├Ągen usw. herstellt. Ich glaube, dass die Sch├╝ler ziemlich erstaunt waren, dass auch eine Frau einen solchen Job erledigen kann.

DirektorEines der Probleme, die wir in der Schule haben, ist die Maschinen immer in Funktion zu halten. Wir m├╝ssen immer irgendwelche Reserveteile haben und brauchen stets eine kompetente Person, falls etwas kaputt gehen sollte. Ein einigerma├čen gut funktionierendes Inventar zu haben ist ebenso eine Herausforderung. Darum haben wir immer gen├╝gend Reserveteile, weil unsere Maschinen von au├čen her gebunden sind, so auch die Bestandteile.

Die Schule ist ein wahres Bienennest. Wenn ich in Kivumu bin, dann besetze ich ├╝blicherweise das B├╝ro des Rektors. Ich benutze dort den Computer, weil ich am Entwurf der Programme und anderen Sachen arbeiten muss.

Meine Vorbereitungen f├╝r Ruanda gehen immer in Richtung Kauf von B├╝chern, Videos, Modelle und anderen n├╝tzlichen Sachen, die in der Schule gut gebraucht werden k├Ânnten. St├╝ck f├╝r St├╝ck versuchen wir eine Bibliothek auszubauen, die sowohl f├╝r Lehrer als auch f├╝r Sch├╝ler von Nutzen sein w├╝rde. Wir geben uns M├╝he die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler durch ihr Lernen zu motivieren, damit sie ihren Fortschritt im Lernen ÔÇ×provozierenÔÇť. So k├Ânnen sie auch anhand von neuen Lehrb├╝chern in ihrem Kurs motiviert werden und kopieren nicht nur das, was in den alten B├╝chern steht. In afrikanischen Schulen kopiert man stets das, was an der Tafel und in den B├╝chern steht, somit wird die Kreativit├Ąt nicht gef├Ârdert und sie stribt aus.

Ich versuche ihnen zu helfen, wie man seine eigenen Ideen entwirft und eine M├Âglichkeit erfinden, wie man in einem Dorf ohne Strom auskommt und wie man lokal arbeitet.

Der Unterricht f├Ąngt immer morgens um 8:30 Uhr an und endet um 16:30 Uhr. Zwischendurch gibt es immer nach jeder Stunde Pause und Wechsel, wenn man in Unterrichtsr├Ąumen lehrt. Das wird auf eine sehr merkw├╝rdige art und Weise gemacht, d.h. die Klingel ist sehr merkw├╝rdig. Der Wachmann, ein ├Ąlterer Mann, der auch der Gl├Âckner ist, hat unfassbare Nerven; er vergeudet den ganzen Tag, indem er st├Ąndig und ununterbruchen auf die Uhr starrt. Wenn die Zeit zum L├Ąuten gekommen ist, dann macht er sich entweder langsam oder etwas schneller auf den Weg, je nachdem wie er denkt, dass er Zeit braucht f├╝r die ca. 20 Meter, die er braucht, um zur Autofelge zu kommen, die die Glocke sein soll, nimmt den Stein, der neben der Felge steht und schl├Ągt dann mit diesem auf die Felge ein. Jedes Mal, wenn er das macht, erschecke ich mich beinahe zu Tode und danach geht er wieder gem├╝tlich auf seinen Platz zur├╝ck.

OswaldiW├Ąhrend ich meine Zeit in Kivumu verbringe, hatte ich bis jetzt immer das Gl├╝ck bei den Pfarrern im Kloster zu wohnen. Ich f├╝hlte mich dort wie zuhause. Ein wirklich sch├Ânes Gef├╝hl, wenn man aus seiner Heimat um den halben Globus in ein fremdes Land reist und sich dort willkommen und wie zuhause f├╝hlt. Ich habe die Spezialit├Ąten von Oswaldi sehr genossen, die er zubereitete, einem der besten K├Âche, die ich auf meinen Reisen je gesehen habe. Er ist in der Lage ein F├╝nf-Sterne-Essen aus dem ÔÇ×NichtsÔÇť zuzubereiten und alles schmeckt sehr k├Âstlich.

Ich habe den Eindruck, dass ich mehr bekommen als ich gegeben hatte. Ich bin sehr gl├╝cklich, dass ich die Chance hatte an der Entwicklung der Schule mithelfen zu k├Ânnen. Genauso gl├╝cklich bin ich, dass die Sch├╝lerinnen, Sch├╝ler, Lehrerinnen und Lehrer mir f├╝r meine Unterst├╝tzung zutiefst dankbar sind. Es ist sehr wichtig, dass sie die Schule als ihr ÔÇ×EigentumÔÇť betrachten. Nur auf diese Weise kann die Schule Fortschritte machen und sich weiterentwickeln.

Valerie und JacklineJetzt denke ich ├╝ber die Zeit nach, die ich in Uganda und Ruanda verbracht hatte. Eines der gr├Â├čten Geschenke, die ich in Afrika bekommen habe, ist ÔÇ×mein T├ÂchterleinÔÇť Jackline. Ganz am Ende im Mai 2006 bekam sie die Erlaubnis mit mir gemeinsam nach Kanada zu reisen und dort mit mir zu leben. Sie ist das Gl├╝ck in meinem Leben und sie wird von jedem gemocht, der sie kennengelernt hat.

Ich sehe nun, wieviel Gl├╝ck ich in meinem Leben hatte; eine gl├╝ckliche Familie, gute Freunde und der Chance auf Bildung. Ich vergleiche dies mit dem, was ich in Afrika gesehen habe. Trotz aller Beschwerden, der Armut und dem Leid, die Mehrheit der Ruander ertragen m├╝ssen, so gibt es eine Hoffnung auf ein besseres Mogen. Und das ist das wichtigste im Leben. Egal in welchen Problemen man gerade steckt, glaube ich, dass es immer eine Hoffnung auf etwas Besseres gibt.

 
Pater Vjeko Zentrum

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