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Ehe und Familie im afrikanischen Kontext
Mittwoch, 06. Mai 2015 Geschrieben von fra Ivica Perić

Ehe und Familie im afrikanischen Kontext

In der afrikanischen Kultur ist es völlig unverständlich, wenn ein Erwachsener keine Kinder hat. Zum Beispiel hat man für Menschen ohne Kinder in Ruanda und Uganda einen besonderen Namen: 'ekifera', was 'unnormal' oder 'krank' bedeutet. Hier versteht es sich von selbst, dass jeder Erwachsene Nachkommen, Erben, hat. Menschen ohne Kinder sind, so denkt man, verhext oder von Gott bestraft.

Ob ein Mann bereit ist zu heiraten, zeigt sich dann, wenn er beweisen kann, dass er es wert ist. Das kann er tun, indem er ein Haus baut. Es könnte sein, dass er Land erbt von seinem Vater oder er kann ein Haus selber bauen, aber er darf auf keinen Fall seine Braut das von anderen bringen oder besonders nicht in das Haus seiner Eltern. Vor der Hochzeit muss er ein Haus bauen und Land bestellen, so dass er zeigen kann, dass er in der Lage ist eine Familie zu versorgen. Wenn ein Mann das schafft, nimmt man an, dass er bereit ist zu heiraten. Es wäre natürlich noch besser, wenn er es schaffte eine Kuh, ein Schaf, eine Ziege... zu kaufen.

Ehe und Familie im afrikanischen Kontext

Im Christentum versteht man eine Hochzeit als eine Verbindung zwischen zwei Menschen, aber in der afrikanischen Kultur sieht man das anders. Eine Hochzeit ist eine Verbindung zwischen zwei Familien und Kinder sind ein Segen. Individualität, d.h. ein einsames Leben ohne Nachkommen ist in der afrikanischen Kultur ohne Wert.

Wenn ein junger Mann sich eine junge Frau aussucht, spricht er erst mit der Familie und tut seine Absichten kund und sagt ihnen, welches Mädchen er gerne heiraten möchte. Wenn die Eltern und die Verwandten zustimmen, beginnen sie Verhandlungen mit den Verwandten des Mädchens. Es sind also dann die Verwandten, die über den Antrag weiterverhandeln.

Ehe und Familie im afrikanischen Kontext

Die Verhandlungen können Tage dauern und dafür werden immer viele Getränke, meist Bier, eingesetzt. Das Resultat hängt davon ab, wie gut die verhandelnden Parteien sind. Wichtigster Verhandlungspunkt ist die Aussteuer, also der Preis den der junge Mann für das Mädchen bezahlen soll und kann.

Aber anderes wird auch besprochen, z.b. wieviele Jahre ging die Braut zur Schule, ist sie fleißig, gehorsam, respektiert sie die Älteren etc. Der Verlust der Arbeitskraft dieses Familienmitglieds soll in gewisser Weise vom Bräutigam und seiner Familie kompensiert werden.

Ehe und Familie im afrikanischen Kontext

Auch muss der mögliche Bräutigam den zukünftigen Schwiegereltern Geschenke, wie z.b. Töpfe, Kleidung etc., bringen. Damit soll er zeigen, dass er fleißig ist und der Tochter eine gute Zukunft ermöglichen kann.

Im Gegenzug stimmen die Verwandten der Braut einen Klagegesang an und zählen alle ihre Werte auf und zeigen damit, wie traurig sie sind, dass ein so gutes Mädchen die Familie verlässt. Allerdings machen sie auch deutlich, dass sie sich über die neue Familie freuen, auch weil neue Erben geboren werden. Und sie bitten die neue Familie des Mädchens gut für sie zu sorgen.

Ehe und Familie im afrikanischen Kontext

In der Ehe erwartet man vom Ehemann, dass er das Haus baut, Vieh kauft und, wenn es die Lage erfordert, in den Krieg zieht. Die Ehefrau hält das Haus sauber, kocht und versorgt die Familie. Sie muss auch das Land bestellen und durch die Ernte die Ernährung der Familie sichern.

Ehe und Familie im afrikanischen Kontext

Im Haushalt wäscht jeder seine eigene Wäsche (mit der Hand natürlich). Eine Ehefrau wäscht niemals die Wäsche ihres Ehemanns. Sogar die Kleidung der Kinder wäscht sie nur so lange, wie die Kinder sehr klein sind. Sobald sie ein bisschen älter werden, zeigt sie ihnen, wie man seine eigene Kleidung wäscht.

Hochzeiten, Geburten und Kinder sind der Mittelpunkt des Lebens. Nach der Hochzeit bleibt die Braut sechs Monate zu hause und es wird erwartet, dass sie in der Zeit schwanger wird. Wird sie nicht schwanger, ist das ein schlechtes Zeichen. Eine Frau, die keine Kinder bekommt, wird vom Ehemann und der Gemeinschaft als schlechte Investition angesehen. Dann kann sie zurück geschickt werden und der Mann kann sich eine neue Frau nehmen.

Ehe und Familie im afrikanischen Kontext

Scheidungen kommen in Afrika nur selten vor. Wenn es in der Ehe Probleme gibt, spricht zuallererst der Vater der Familie mit den Eheleuten. Wenn er es nach mehreren Versuchen nicht schafft, die Streitenden zu versöhnen, versucht der Rest der Familie den Frieden zwischen dem Ehepaar wieder herzustellen.

Sobald ein Kind geboren ist, ist die Ehe unauflösbar. Das Kind ist ein Zeichen von außen, dass die Ehe erfolgreich ist und dass die Eheleute nun eine untrennbare Einheit darstellen. Kinder stärken die Beziehung. Die Anwesenheit eines Kindes bestätigt, dass die Einheit nun vollständig ist.

Ehe und Familie im afrikanischen Kontext

Der Wohlstand einer Familie wird durch die Anzahl von Kindern bestimmt. Familien mit einer größeren Anzahl von Kindern haben eine höhere Stellung in der Gemeinschaft. Kinder sind eine Freude und sie sind auch deswegen willkommen, weil sie die Zukunft der Familie sichern. Außerdem gewinnt eine Familie dadurch, dass sie Hilfe bei der notwendigen Arbeit haben. Sobald die Kinder etwas größer sind, erwartet man von ihnen, dass sie Wasser vom nahegelegenen Bach oder einer Quelle holen. Es ist auch ihre Pflicht Feuerholz fürs Kochen zu sammeln. So wird das Leben für die Eltern einfacher.

Sie sehen, hier in Afrika sind es die Kinder, die Leben und eine Zukunft in eine Ehe und in die Gemeinschaft bringen.

Übersetzt von Uta Leymann

 
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