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Bildung, Bildung und nichts als Bildung - Einen anderen Weg gibt es nicht...
Sonntag, 23. Februar 2014 Geschrieben von fra Ivica Peri─ç

Bildung, Bildung und nichts als Bildung - Einen anderen Weg gibt es nichtGib den Leuten keine Fische. Bringe ihnen das Angeln bei! Immer wieder rufe ich mir dieses Sprichwort ins Ged├Ąchtnis und lege es allen ans Herz, die nach Afrika kommen. Viele glauben f├Ąlschlicherweise, ├╝ber Nacht die Welt ver├Ąndern zu k├Ânnen. Ich bin mittlerweile seit 24 Jahren hier und kann erst jetzt die Fr├╝chte meiner Arbeit sehen: Erfolgreiche, junge Leute, die als Kinder nur drau├čen auf der Stra├če gespielt haben. Wir gaben ihnen B├╝cher, Unterricht und den Mut, etwas daraus zu machen. Und sie hatten Erfolg.

Nat├╝rlich k├Ânnen auch die Projekte Anderer positive Resultate verzeichnen: In vielen D├Ârfern Ugandas und Ruandas wurden ebenfalls Kirchen, Schulen, Krankenh├Ąuser und allerlei andere Geb├Ąude errichtet. Trotzdem ist es besonders sch├Ân zu sehen, dass die Kinder durch die M├Âglichkeit auf Bildung eine vielversprechende Zukunft vor sich haben.

Aus diesem Grund statte ich am Ende jedes Jahres dem D├Ârfchen Rushooka in Uganda einen Besuch ab, in dem ich zehn Jahre als Missionar t├Ątig war, bevor ich nach Ruanda kam.

Am Jahresende findet hier immer ein Ehemaligentreffen statt. Die Sch├╝ler von damals sind mittlerweile in den Drei├čigern. Manche bezeichnen mich immer noch als ihren zweiten Vater, und beim allj├Ąhrlichen Treffen bin ich ein gern gesehener Gast. Ich freue mich stets, dabei zu sein, denn ihr Erfolg gibt mir den Willen, weitere Generationen Bildung zu erm├Âglichen und sie noch h├Ąrter lernen zu lassen ÔÇô denn das ist der einzige Weg aus dem Teufelskreis der Armut.

Das Treffen fand kurz vor Silvester statt und es kamen etwa 30 Ehemalige. Viele andere waren leider verhindert, weil sie erfolgreich eine Universit├Ąt besucht haben und ihr Job es nicht zulie├č, so einfach nach Rushooka zu kommen. ├ťber diejenigen, die erschienen sind, war ich daf├╝r umso erfreuter: Alle haben was aus sich gemacht, eine Familie gegr├╝ndet und sich ein menschenw├╝rdiges Leben aufgebaut. Sie haben etwas erreicht, wovon sie in ihrer Kindheit kaum tr├Ąumen konnten. Manche von ihnen sind mittlerweile selber Lehrer, andere haben sich sogar selbstst├Ąndig gemacht.

Ich spreche hier ├╝ber Kinder, die ohne Eltern bei irgendwelchen Verwandten aufgewachsen sind, oder ohne V├Ąter allein von ihren M├╝ttern ├╝ber die Runden gebracht werden mussten. Alle hatten sie drei Sachen gemeinsam: Armut, Hunger und keine Aussicht auf Besserung. Als ich zum ersten Mal vor Ort gesehen habe, wie viele solcher F├Ąlle es gibt, beschloss ich, diesen Kindern w├Ąhrend meiner Missionarsarbeit eine bessere Zukunft zu erm├Âglichen. Heute sehe ich: Eine gute Entscheidung!

Zugegeben ÔÇô manche gestehen mir, dass ich oft ziemlich anstrengend war mit meinem Drill zum Lernen, und dass manche versucht haben, mir aus dem Weg zu gehen ÔÇô der unangenehme Wei├če, der uns lernen l├Ąsst, w├Ąhrend die anderen sorglos drau├čen spielen. Aber irgendwo tief in Ihnen m├╝ssen sie gewusst haben, dass ohne harte Arbeit und eisernen Willen nichts aus ihrem Leben wird. Deshalb haben sie nicht aufgegeben.

Nat├╝rlich habe ich mich hier und da einiger Tricks bedient ÔÇô gute Arbeit, selbst im kleinsten Ma├če, wurde stets belohnt. Auch Kleinigkeiten waren da eine gute Motivationshilfe. Wenn aber jemand nichts verdient hat, dann gab es auch nichts. Kleidung, Stifte, B├╝cher oder S├╝├čes gab es nur bei guten Noten oder au├čergew├Âhnlichen Leistungen. So haben sie gelernt, dass nichts vom Himmel f├Ąllt, denn harte Arbeit ist der Schl├╝ssel zum Erfolg. Und diejenigen die leer ausgingen, waren umso flei├čiger, um auch endlich in den Genuss einer Belohnung zu kommen. Heute, in Ruanda, wirkt der Trick immer noch. 370 junge Leute gehen hier zur Schule ÔÇô und es klappt bei jedem!

In der ersten Generation meiner ehemaligen Schulkinder, die heute ein erfolgreiches Leben f├╝hren, war Joseline. Joseline ist mittlerweile ├╝ber 30 und f├╝r mich so etwas wie eine Tochter. Sie war von allen die gr├Â├čte K├Ąmpferin. Als sie die vierte Klasse besuchte, verlor sie Mutter und Vater. Ihre Verwandten wollten ihr alles wegnehmen, was sie und ihre Geschwister noch besa├čen. Doch sie hat gefightet, wie sie nur konnte. Sie hatte nicht einmal genug Geld, um sich die Schule zu leisten, also kam sie quasi illegal in den Unterricht ÔÇô damit ihre Freundinnen sie nicht ├╝berholten. Als ich zum ersten Mal von ihr h├Ârte, war mein Interesse sofort geweckt. Joseline hat schlie├člich nach der weiterf├╝hrenden Schule auch ein Studium abgeschlossen, alles mit herausragenden Noten. Als ich zum ersten Mal mit ihr Tischtennis gespielt habe, muss das wohl eine Leidenschaft in ihr geweckt haben. Sie gewann die nationale Meisterschaft Ugandas und durfte ihr Heimatland sogar bei den World University Games in Bangkok vertreten. Heute ist sie eine erfolgreiche junge Frau und lebt mit ihrem Mann, einem Musiker, und den drei gemeinsamen Kindern in Prag.

Mit einem gro├čen L├Ącheln im Gesicht kam ich schlie├člich vom Ehemaligentreffen zur├╝ck nach Ruanda, wo ich meine Missionarsarbeit im D├Ârfchen Kivumu fortf├╝hre ÔÇô wieder einmal best├Ąrkt im Glauben, dass Bildung der einzige Weg aus Hunger und Elend ist.

├ťbersetzt von Ivo Ligeti

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